Denn wenn kreative Chaoten etwas nicht kennen, dann ist es Unlust.
Selbst bei den kleinsten Kleinigkeiten legen sie eine Leidenschaft an den Tag – und sei es, sich leidenschaftlich gegen das Ausfüllen der Steuererklärung zu wehren.
Die Frage ist aber, aus welchen Gründen schieben wie so häufig auf? Aus welchen Gründen werden die Dinge auf unserer "langen Bank" immer mehr?
Handelt es sich bei Ihnen um größere Veränderungen (Scheidung, berufliche Veränderung, eine lange Reise, eine wichtige Operation)? Dann kann Ihnen die Traumreise aus Kapitel 2 (siehe Buch "Organisieren Sie noch oder leben Sie schon?" Seite 71) helfen, mehr Klarheit und damit mehr Zugkraft zu gewinnen.
Siehe dazu auch meinen Artikel über die Ziele und die PIDEWaWa-Methode
Falls es sich bei Ihnen wie bei den meisten Menschen lediglich um die bequeme lange Bank handelt, auf der sich die Alltagsaufgaben ein Stelldichein geben (Schuhe neu besohlen lassen, Kleid in die Reinigung bringen, Geburtstagskarten schreiben, den Kühlschrank abtauen), dann holen Sie sich ein paar Anregungen, wie Sie bei Ihrer langen Bank die Säge ansetzen.
Dinge immer wieder aufzuschieben kostet eine Menge Energie und es nervt uns selbst. Wir fühlen uns schlecht und unfähig, wenn wir Aufgaben, die wir eigentlich machen wollen, sollen oder müssen nicht anpacken. Selbst wenn wir immer die tollsten Argumente haben, warum wir gerade jetzt nicht anfangen: »Ich warte, bis ich in der richtigen Stimmung bin.« »Morgen ist auch noch ein Tag.« »Ich habe hier einfach nicht die geeigneten Arbeitsbedingungen.« »Meine Rückenschmerzen werden schon wieder von alleine weggehen.« »Alle anderen
sind jetzt am See, und da soll ich im Büro arbeiten?« Aufschieben kostet zudem Unmengen an Energie, weil wir immer wieder unser Gehirn mit unerledigten Aufgaben beschäftigen und blockieren.
Die Psychologin Bluma Zeigarnik hat erforscht, dass wir uns wesentlich besser an unerledigte Handlungen erinnern als an erledigte. Das heißt nicht, dass wir permanent aktiv daran denken, aber immer wieder setzen wir uns in Gedanken damit auseinander und investieren Energie, die uns dann bei anderen Aufgaben fehlt.
Stellen Sie sich vor, unser Gehirn ist ein großes Schubladensystem.
In jeder Schublade steckt eine Aufgabe. Ist die Aufgabe unerledigt, bleibt diese Schublade offen und wir stoßen uns ständig daran. Je mehr Schubladen offen sind, desto schwieriger wird es, voranzukommen.
Schließen Sie Ihre Aufgabenschubladen in zwei Schritten:
Schritt 1:Aufgaben aufschreiben und prüfen
Schritt 2:Terminieren oder Tun
Schritt 1: Aufgaben aufschreiben und prüfen
Schreiben Sie alle größeren Aufgaben, die Sie »eigentlich« machen wollen, auf einem Blatt Papier auf. Prüfen Sie, ob Sie diese Aufgabe wirklich machen wollen, jetzt machen wollen oder später oder ob es Ihnen im Grunde Ihres Herzens völlig einerlei ist (zum Beispiel die Bonushefte für die Krankenkasse ausfüllen lassen, um ein paar Euro
zu sparen).
Mit dieser Rastertechnik können Sie sich von vielen Aufschieberitis-Aufgaben gleich verabschieden:
Was Ihnen völlig einerlei ist, das brauchen Sie gar nicht zu tun.
Schritt 2: Terminieren oder Tun
Sie wollen diese Aufgabe wirklich erledigen? Dann haben Sie folgende Möglichkeiten:
Möglichkeit 1
Ihre Antwort ist aus vollem Herzen Ja? Legen Sie einen Termin fest, bis wann die Aufgabe erledigt sein soll. Stören Sie sich nicht daran, dass Sie sich bislang dafür keine Zeit genommen haben – das tun Sie ja jetzt im Moment! Und wenn Sie es nicht bis zum geplanten Zeitpunkt geschafft haben, dann verschieben Sie lieber statt aufzuschieben. Aufschieben nervt, wohingegen Verschieben organisiert ist – und ein gutes Gefühl hinterlässt.
Möglichkeit 2
Ihre Antwort ist »Nein, das will ich eigentlich nicht machen, aber …« Bei dieser Antwort sind drei Varianten denkbar.
Variante 2a: Sie wollen die Aufgabe eigentlich nicht erledigen? Was können Sie dann tun? Streichen? Delegieren? Teile davon erledigen, um den Frieden zu wahren? Definieren Sie einen Grad der Erledigung, mit dem Sie leben können, oder verabschieden Sie diese Aufgaben.
Besonders wenn es sich um (ehemalige) Lebensziele handelt, die Ihnen nicht mehr wichtig sind, verabschieden Sie sich von ihnen! Suchen Sie echte Begründungen, warum sie diese Aufgabe erledigen oder eine Situation verändern wollen. Sobald Sie den ehrlichen, den wirklich wahren Grund nennen können, haben Sie auch die Motivation, es anzupacken.
Und wenn Sie keinen ehrlichen und guten Grund finden?
Dann haben Sie die Motivation, sich von dieser Aufgabe zu verabschieden.
So leicht ist das!
Variante 2b: Vielleicht lautet Ihre Antwort »Ich will eigentlich nicht, aber ich muss«? Überprüfen Sie zunächst, ob Sie wirklich müssen. Wer sagt das? Was ist die Konsequenz, wenn Sie es nicht tun? Wie schlimm ist diese Konsequenz tatsächlich? Wägen Sie auch hier Vorteil und Aufwand ab – und entscheiden Sie bewusst.
Beliebte Themen für die »Ich-muss-Aufschieberitis« sind Dinge, die uns lange Zeit nicht wehtun – und deshalb C-Aufgaben sind (weder besonders wichtig noch dringend), bis sie plötzlich doch dringend anstehen:
der Friseurtermin – bis ein wichtiger Geschäftstermin ansteht oder ein Treffen mit der großen Liebe.
Der Großputz in der Wohnung – bis ER oder SIE zum ersten Mal mit nachhause kommt.
Die jährliche Inspektion des Autos – bis die Garantie des Herstellers fast schon abgelaufen ist (gut, dass ich das jetzt geschrieben habe, das hat mich an etwas erinnert …).
Den Anruf beim Dachdecker – bis das Wasser in den Speicher läuft.
Ich finde, bei vielen dieser »Ich-muss-Tätigkeiten« spielt es wirklich keine Rolle ob ich sie gleich erledige oder immer wieder »vergesse«. Ärgerlich wird es ja nur dann, wenn dadurch größere Katastrophen ausgelöst werden. Aber die haben manchmal auch ihr Gutes. Denn wann sonst bekommen Sie zum Beispiel einen Dachdecker innerhalb eines Tages ins Haus – außer es regnet rein? Wann sonst bekommen Sie sofort einen Zahnarzttermin, außer als Notfall.
Und weil kreative Chaoten sich ja meist nicht lange in die Zukunft hinein festlegen wollen, brauchen wir manchmal eben »Notfälle«, um spontan Dinge erledigen zu können.
Ein logischer Ordner wird diese Sicht der Dinge nicht verstehen.
Denn man plant eben diese Dinge konsequent und erledigt sie. Ja, ein Linkshirner schon. Haben Sie ein Exemplar für diese Aufgaben zur Seite – dann delegieren Sie diese Pflichttermine am besten an den logischen
Ordner!
Variante 2c: Ihre Antwort ist »Ich will schon, aber …«?
In diesem Fall lohnt es sich, Ihren Hemmnissen auf die Spur zu kommen. Überlegen Sie (zum
Beispiel in Form einer Mind Maps): »Was hindert mich daran, es anzupacken? «
Sobald Sie Ihren Bremsklotz erkennen, haben Sie die Chance, ihn zu lösen und wieder in den Arbeitsfluss zu kommen.
Einen Eindruck von Ihren "Bremsern" erhalten Sie im Selbst-Check "Innere Widersacher" auf meiner Website.
Vorsicht, wenn da »keine Zeit« steht. Keine Zeit heißt, dass es Ihnen bislang nicht wirklich wichtig war. Ist das nur heute so, dann legen Sie einen Termin dafür fest.
Ist Ihnen nach wie vor nicht wichtig – dann tschüss.
Für die anderen Fälle beobachten Sie sich:
Welche Tätigkeiten packen Sie nicht oder nur ungern an?
Welche Entscheidungen fällen Sie ungern?
Wann oder wo hapert es an der Durchführung?
Je besser Sie sich und Ihren inneren Schweinehund durchschauen, desto besser können Sie Ihre lange Bank kürzen. Nehmen Sie sich jeden Tag 30 Minuten Zeit für Kleinigkeiten, die Sie irgendwann einmal machen wollten. Notieren Sie Ihre Einfälle auf einem bunten Zettel oder in Ihrem Chancen-Planer und blocken Sie jeden Tag einen Zeitraum dafür.
Manche Menschen tun dies in Form einer goldenen Nuss (vgl. auch Seite 102 im Buch) und starten so mit einem guten Gefühl in den Tag.
Setzten Sie sich jeden Tag und jede Woche Spaßtermine, die Sie morgens gut gelaunt aus dem Bett treiben. Sich von positiven Aussichten beflügeln zu lassen, ist der beste Ausbremser der Aufschieberitis.
Das kennen Sie sicherlich von den Tagen, bevor Sie in Urlaub gehen und merken, was Sie da alles vom Tisch ackern. Wenn Sie etwas Schönes vorhaben, dann hadern Sie nicht lange, ob, wie oder wann Sie etwas erledigen wollen. Sie tun es einfach.
Meine Freundin Anke hat in ihrem Buch "Ich bin eine Suchmaschine" ein tolles Kapitel über die lange Bank geschrieben. Hier finden Sie einen Auszug aus diesem Buch.
Lesen Sie auch auf dem Karrierebibel-BLOG: 45 Wege gegen Prokrastination






